G. C. KIRCHBERGER. DIE JAHRE IN BAD BOLL

27.06.2020 – 13.09.2020

1996 war Günther C. Kirchberger von Stuttgart nach Bad Boll gezogen und schon bald eine feste Größe im Kunst- und Kulturleben der Region geworden. Viele Kunstfreundinnen und -freundeim Landkreis Göppingen, werden sich noch gut an ihn erinnern, den freundlichen älteren Herrn, der vom geheimnisvollen Ruf des wilden Avantgarde-Künstlers umgeben war, im alltäglichen Umgang und auf Vernissagen aber eigentlich überraschend „normal“ erschien.

In den 1950er und 1960er Jahren hatte Kirchberger im Zentrum der Stuttgarter Avantgarde-Szene gestanden und als einer der ersten Künstler seiner Generation Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden. Nach einem London-Aufenthalt hatte er 1956 die Gründung der Gruppe 11 initiiert, der ersten abstraktexpressiv arbeitenden Künstlergruppe im Südwesten, zu der neben Kirchberger auch Georg Karl Pfahler gehörte. Zusammen mit Pfahler hat Kirchberger dann nach 1960 zur Etablierung der neuen Kunstrichtung des sogenannten „Hard Edge“ in Deutschland beigetragen.

Dass Kirchberger aber auch noch im fortgeschrittenen Alter ein ganz bemerkenswertes Spätwerk hervorgebracht hat, das beleuchten nun zwei Ausstellungen, die unter dem Titel „Die Jahre in Bad Boll“ stehen und in der Galerie im Ostflügel auf Schloss Filseck sowie in den Räumen der Evangelischen Akademie in Bad Boll zu sehen sind.

Beiden Institutionen war Kirchberger seit 1996 eng verbunden und die Schloss Filseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen betreut seit einigen Jahren auch den Nachlass des 2010 verstorbenen Künstlers.

Die beiden Ausstellungen konzentrieren sich ganz auf die späten Schaffensjahre, in denen Kirchberger zu einer künstlerischen Synthese verschiedener früherer Werkphasen gefunden hat. Er erreicht diese Synthese, indem er die wilde Expressivität seiner Arbeiten aus den 1950er Jahren mit der strengen und klaren

Bildstruktur seiner späteren Hard Edge-Werke kombiniert. Dem Wechsel nach Bad Boll kommt dabei eine ganz entscheidende Bedeutung zu, denn hier - weitab vom Trubel der Großstadt - findet er nach Jahrzehnten im engen Korsett des Lehrberufes endlich wieder die entscheidende Ruhe und Muße, seine Malerei nochmals voranzutreiben. Dass er beim Umzug einige alte Tuben mit Ölfarbe wiedergefunden hatte, erweist sich als ein glücklicher Zufall. Denn die langsam trocknende Ölfarbe erlaubt es ihm, wieder nass-in-nass zu arbeiten, was die expressive Ausdruckskraft seiner späten Werke zusätzlich steigert, wie man in den beiden Ausstellungen sehr anschaulich ablesen kann.

Stephan Geiger

 

Vita:

1928 in Kornwestheim geboren.

1950–54 Studium an der Akademie der Künste in Stuttgart, druckt für Willi Baumeister.

1956 Erster London-Aufenthalt. Beginn der Freundschaft mit Lawrence Alloway. Gründung der gruppe 11 in Stuttgart (mit Georg Karl Pfahler), erste informelle Arbeiten.

1957–58 Ausstellungen der gruppe 11 in München, Brüssel, Rom und London.

1959 Übergang vom Informel zu fest gefügten Farbformen.

1962 Gehört zum Kreis um Max Bense. Zusammen mit dem Literaten Reinhard Döhl entstehen Text-Bild-Integrationen. Erste Ankäufe durch Museen im In- und Ausland.

1964 Dozent an der Werkkunstschule Krefeld (ab 1973 Professor),Hard Edge-Arbeiten. Kirchberger pendelt fortan zwischen Stuttgart und Krefeld.

1965 Beginn der Do-It-Yourself-Bilder, bei denen einzelne Farbflächen nur noch durch Worte bezeichnet werden sowie der interaktiven Spielbilder.

1979 erste Reisen nach Ägypten und Beginn der Ägypten-Serie.

1986 Beginn der Tavola-Serie, die an Arbeiten der 1960er Jahre anknüpft.

1996 Übersiedlung nach Bad Boll. In der Folge Rückkehr zur Ölmalerei, die sein Spätwerk bestimmen wird.

2010 stirbt Kirchberger in Göppingen. Sein künstlerischer Nachlass wird von der Schloss-Filseck-Stiftung betreut


 

weitere Vorschau 2020:
 

  • Klaus Heider, 26. September bis 1. November 2020
     
  • Gundel Kilian - Bühnenfotografie aus 6 Jahrzehnten, 21. November 2020 bis 17. Januar 2021

 

Öffnungszeiten der Galerie im Ostflügel 1. Stock:

Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 13 bis 17 Uhr