Gundel Kilian - Bühnenfotografie aus sechs Jahrzehnten

21.08.2021 - 24.10.2021

Wir, die Kunsthalle Göppingen und die Schloss Filseck Stiftung der Kreissparkasse Göppingen, freuen uns die Ausstellung „Gundel Kilian. Bühnenfotografie aus sechs Jahrzehnten“ aufgrund der aktuellen Situation nun endlich zeigen zu können. Gundel Kilian fotografierte über 60 Jahre lang am Stuttgarter Staatstheater in den Bereichen Ballett, Schauspiel und Oper. Sie war selbst Tänzerin in der Kompanie des Stuttgarter Balletts, bevor sie zur Fotografie kam. Ab 1955 fotografierte sie Aufführungen des Staatstheaters und hielt einmalige und flüchtige Momente bei den Proben und auf der Bühne fest. Das fotografische Handwerk und die Arbeit in der Dunkelkammer lernte Gundel Kilian durch ihren Mann, den Fotografen Hannes Kilian.

1928 bei Schwäbisch Gmünd geboren, fotografierte Gundel Kilian die großen und berühmten Solisten wie Marcia Haydée, Richard Cragun, Birgit Keil, Tamas Detrich oder auch Rudolf Nurejew. Sie hielt damit mehrere Generationen von Tänzer*innen, Intendant*innen und Choreograf*innen des Stuttgarter Balletts und der internationalen Ballettszene im Bild fest.

Es entstanden zudem Fotografien bei Opernaufführungen und Schauspielinszenierungen. Die Fotografin schuf in diesem Zusammenhang viele Porträts berühmter Persönlichkeiten wie beispielsweise Pina Bausch, Bernhard Minetti, Heiner Müller, Thomas Bernhard, Martin Kusej, Robert Wilson, Wolfgang Rihm und Philip Glass. Gundel Kilian fotografierte sie einzeln oder bei Proben und Gesprächen.

Als Fotografin nahm sich Gundel Kilian zurück, war fast unsichtbar. Sie verbrachte viele Stunden bei den Proben im Ballettsaal oder auf der Bühne bei den Vorstellungen, sah jede Inszenierung mehrfach. Selbst Tänzerin konnte sie sich in die Bewegung und Abfolge einer Choreografie einfühlen und drückte im richtigen Moment auf den Auslöser. Viele ihrer Schwarzweiß-Fotografien aus dem Ballettsaal zeigen Momentaufnahmen, wie beispielsweise das Bildnis von Marcia Haydée und Birgit Keil aus dem Jahr 1987 – eine besondere und seltene Fotografie der beiden weltberühmten Tänzerinnen. Marcia Haydée, ab 1976 bis 1996 Direktorin des Stuttgarter Balletts, leitet hier als Choreografin Birgit Keil bei den Proben zum Ballett „Enas“ (mit Richard Cragun) an: Der Blick beider Frauen ist zur linken Bildseite gewandt, ihre Hände sind miteinander verbunden, beide sind konzentriert und in die Bewegung vertieft. Gundel Kilian ließ ihre Aufnahmen immer aus der Bewegung entstehen, so auch dieses Bild der Tänzerinnen, das einen Moment eines Bewegungsablaufes einfriert. Auch die Fotografie des Tänzers Friedemann Vogel ist aus der Arbeit und damit Bewegung des Tänzers heraus entstanden. Friedemann Vogel, Erster Solist des Stuttgarter Balletts, hält Kilian in einem Trainingssprung fest. Scheinbar mühelos schwebt der Tänzer im Spagatsprung im Raum, sein Lächeln betont die Leichtigkeit der Bewegung. Kompositorisch spannungsvoll ist der Flügel am unteren Bildrand der Fotografie, über der den Tänzer zu fliegen scheint.

Marcia Haydée beschreibt Gundel Kilians Arbeitsweise treffend: „Du hattest immer die Kapazität wie transparent zu sein“. So entstanden Aufnahmen, die eigentlich ungesehene Momente bei den Proben, die besondere Konzentration vor dem Auftritt oder das Miteinander der Künstler*innen fernab von der Bühne, zeigen. Gundel Kilian hielt damit ein Stück Zeitgeschichte für die nachkommenden Generationen fest. Die Arbeit im Ballettsaal faszinierte und erfüllte Gundel Kilian ganz besonders. Die Energie im Raum, die Präsenz und individuelle Persönlichkeit der Tänzer*innen fing sie in ihren Fotografien sensibel ein.

Die Ausstellung „ Gundel Kilian. Bühnenfotografie aus 6 Jahrzehnten“ in der Galerie im Ostflügel auf Schloss Filseck zeigt circa 90 Fotografien in Schwarzweiß und Farbe aus den Bereichen Ballett, Oper und Theater. Auch die bekannten Kalender, die Gundel Kilian über vier Jahrzehnte für das Stuttgarter Ballett schuf und die zu Klassikern geworden sind, sind Teil der Ausstellung.

Galerie im Ostflügel auf Schloss Filseck: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 13 - 17 Uhr

Öffentliche Führungen jeden Sontag 15 Uhr

Für den Besuch der Ausstellung gilt aufgrund der Corona-Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg aktuell die 3G-Regel (Zutritt nur für geimpfte, genesene oder getestete Personen). Zugelassen sind alternativ ein gültiger Impfpass, ein Genesungsnachweis, ein negativer Antigen-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden ist oder ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ausgenommen von der Regel sind Kinder bis zum 6. Lebensjahr. Bitte beachten Sie unsere Hygiene- und Abstandsregeln.

 

Tagesaktuelle Informationen unter: www.kunsthalle-goeppingen.de